VESLIC |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
|
Gerbung von Leder aus ökologischer Sicht
1. Gerben von Leder
Gerben ist die chemische Verbindung von Hauteiweiss mit einem Gerbstoff.
Durch Gerben entsteht aus Haut Leder. Im Lauf der Zeit und in allen
Erdteilen fanden schon viele verschiedene Gerbmethoden Anwendung. Die
Ägypter tauchten die Haut in salzhaltige Wüstenseen, Indianer hängten
sie in den Rauch. Selbst in waldigen Tümpeln wurden Tierhäute
konserviert mit den darin enthaltenen Holz-Gerbstoffen.
Heute gibt es drei Kategorien von Gerbstoffen, die für die industrielle
Herstellung von Leder von Bedeutung sind: vegetabile, mineralische und
synthetische.
1.1. Vegetabile oder pflanzliche Gerbstoffe
Viele Hölzer, Rinden und Früchte enthalten Gerbstoffe, die extrahiert
und so fr die Gerbung gewonnen werden können. Der Gerbstoff im Wein ist
allen bekannt und beeinflusst seine Qualität nachhaltig. In unseren
Regionen sind Eiche und Kastanie bekannte Gerbstoff-Lieferanten, die
heutzutage allerdings keine wesentliche Bedeutung mehr haben. Vor allem
aus Übersee sind heute Mimosa- und Quebracho-Bäume wichtige
Gerbstoff-Lieferanten sowie das Extrakt der Tara-Frucht. Die vegetabilen
Gerbstoffe sind die ältesten Gerbstoffe, die wir kennen und ergeben
aufgrund ihrer chemischen Struktur volle, feste und kompakte Leder, die
zum Beispiel für Schuhsohlen gebraucht werden.
1. 2. Mineralische Gerbstoffe
Metallsalze, die Chrom Zirkonium, Aluminium, Titan oder Eisen enthalten,
haben ebenfalls eine gute gerbende Wirkung und können mit Eiweissen sehr
gute Verbindungen aufbauen. Von den mineralischen Gerbstoffen hat heute
ausschliesslich das dreiwertige Chrom grosse Bedeutung und wird bei
nahezu 90 Prozent aller Leder, die weltweit gegerbt werden, eingesetzt.
Seit mehr als 100 Jahren wird Chromsulfat als Gerbstoff verwendet.
Chromgegerbte Häute ergeben aufgrund der besonders komplizierten
Vernetzung mit dem Hauteiweiss widerstandsfähigere und weichere Leder
als solche, die mit anderen Gerbverfahren produziert werden. Sie sind
zudem wärmeunempfindlich, schweissecht und sehr gut färbbar. Es ist aber
wesentlich, zwischen dem dreiwertigen Chrom, das für die Gerbung
eingesetzt wird, und dem sechswertigen Chrom, das sehr giftig ist zu
unterscheiden. Für die moderne Gerbung hat das sechswertige Chrom aber
keine Bedeutung mehr.
Das dreiwertige Chrom ist aber ein essentielles Spurenelement in unserem
Körper. Es kommt in Konzentrationen von 0,03 bis 0,1 g/kg in unseren
Böden, Gesteinen und Gemüsen vor. Ein Rindleder von etwa 5,5 m2 Fläche
enthält etwa 80 Gramm dreiwertiges Chrom, also etwa 20 g/kg Leder.
Obwohl es als Schwermetall mit viel Misstrauen behandelt wird, gibt es
bis heute keinen wissenschaftlichen Beleg für einen tatsächlich
negativen Einfluss der Chromgerbung auf die Umwelt oder die menschliche
Gesundheit, und dies nach 100 Jahre erfolgreicher Anwendung der
Chromgerbung. Chromgegerbte Leder sind eher weich und werden deshalb
hauptsächlich für Schuhe, Bekleidung und Möbel eingesetzt.
1.3. Synthetische Gerbung
In diese Kategorie gehören Gerbstoffe, die durch Synthese hergestellt
werden, also nicht in der Umwelt bereits vorhanden sind. Besonders
gerbende Wirkung haben Formaldehyd, Glutaraldehyd, Phenole,
Harnstoff-Derivate und Acrylate. Die synthetischen Gerbstoffe werden in
der Regel nicht als Alleingerbstoffe eingesetzt, sondern geben in
Kombination mit vegetabilen oder Chromgerbstoffen sehr interessante
Resultate. Man spricht dann von einer kombinierten Gerbung. Früher war
es zum Beispiel nicht möglich, mit einem vegetabilen Gerbstoff allein
weiche Leder herzustellen. Heute kann dies über ein synthetisches
Vorgerbverfahren problemlos erreicht werden.
2. Vegetabile Gerbung kontra Chromgerbung
Für weiche Möbelleder zum Beispiel wird das kombinierte Gerbverfahren
mit einem synthetischen Vorgerbstoff und einem vegetabilen
Hauptgerbstoff angewendet. Es dauert doppelt so lange wie bei der
Chromgerbung. Ebenso wird die vierfache Menge an Gerbstoff benötigt.
Deshalb sind vegetabile Leder teurer als chromgegerbte. Als Vorteil der
chromfreien Leder gilt, dass die Restflotten der Gerbung nicht die
Chromrückgewinnungs-anlage der Abwasserreinigung durchlaufen müssen.
Dagegen haben aber vegetabile Restbrühen in den Kläranlagen einen
höheren Sauerstoffbedarf (COD) und belasten deshalb die Belüftung in der
biologischen Stufe der Kläranlage mehr
3. Abfälle aus der Gerbung
3.1 Schlämme
Für alle Nassprozesse in der Gerberei werden etwa 20 Kubikmeter Wasser
pro Tonne Rohhaut benötigt. In diesen Brühen oder Flotten sind meist
auch unlösliche Teile enthalten (Hauteiweiss, Salze und andere mehr) die
bei der Filtration der Abwsser Schlämme ergeben. Bei der Chromgerbung
wird der am Ende der Gerbung in der Flotte verbliebene
Rest-Chromgerbstoff separiert ausgefällt und filtriert. Das dabei
entstehende Chromhydroxyd kann zu einem Gerbstoff aufgearbeitet und
wieder verwendet werden. Um die für das Abwasser vorgeschriebenen
Grenzwerte von 2 mg Chrom pro Liter einzuhalten, muss in manchen
Gerbereien nochmals eine Chromseparierung nachgeschaltet werden. Der
dabei erhaltene Schlamm, der auch wesentliche organische Bestandteile
sowie andere Salze enthält, wird entwässert und gelangt auf eine
Deponie. Der im Schlamm enthaltene Chrom verharrt im dreiwertigen
Stadium und ist somit nicht giftig.
Die vegetabilen Gerbbrühen können teilweise ebenfalls rezykliert werden.
Trotzdem bleibt aber ein ungelöster Teil übrig, der auch als Schlamm
anfällt. Dieser Schlamm hat den Vorteil, dass er metallfrei ist. Er
könnte einer Kompostieranlage zugeführt werden. Wir müssen aber
feststellen, dass die Betreiber von Kompostieranlagen heute noch nicht
in der Lage sind, solche Abfälle tatsächlich in grösserem Umfang zu
kompostieren. Kompostieranlagen arbeiten fast ausschliesslich mit
pflanzlichen Abfällen. Die Klärschlamm-Problematik zeigt deutlich, dass
Nebenprodukte der Industrie ungern auf Äckern ausgebracht werden.
3.2. Falzspäne
Die gegerbten Leder werden auf der Falzmaschine, einer Art
Hobelmaschine, in der Dicke egalisiert. Dabei entsteht der Falzspan. Wie
beim Holz wird aus den Falzspänen eine Faserplatte hergestellt. Die
Falzspäne werden also wieder verwendet. Chromgegerbte Falzspäne können
mit einem anderen Verfahren aber auch aufgelöst werden. Das entstehende
Eiweisshydrolysat kann vom Chrom getrennt und zum Beispiel in der
Fotochemie als Gelatine verwendet werden. Das Chrom kann wieder
aufgearbeitet und als Gerbstoff verwendet werden. Aus Kostengründen wird
es aber vorwiegend deponiert.
Die vegetablen Falzspäne können kompostiert werden, da aber gegerbtes
Leder sehr gut konserviert und haltbar ist, dauert die Kompostierung
wesentlich länger. Wegen ungenügender Kompostkapazitäten besteht das
gleiche Problem wie bei den Schlämmen, so dass auch vegetabile Falzspäne
entweder deponiert oder verbrannt werden.
3.3 Lederabfälle
Wenn Abfälle von Leder, das an den Rändern beschnitten wird, eine
gewisse Grösse aufweisen, etwa das Format A6 bis A5, können sie zusammen
mit Zuschneideabfällen der lederverarbeitenden Industrie (zum Beispiel
Möbel- oder Schuhfabriken) wieder verwendet werden. Kleinere
Lederabfälle werden in der Schweiz über den Hausmüll entsorgt und
gelangen so in die Kehrrichtverbrennung oder seltener auf die
Kehrrichtdeponie. Das im Leder enthaltene Chrom verbleibt nach der
Verbrennung in der Schlacke und gelangt so auf eine kontrollierte
Deponie. Auch in diesem Fall besteht keinerlei Gefahr, dass
sechswertiges Chrom die Umwelt belastet. Die Rückstände der chromfreien
Leder (Salze) gelangen ebenfalls auf die gleiche Deponie.
4. Umweltbestimmungen
Obwohl die Lederindustrie eines der ältesten Gewerbe ist und Leder
wahrscheinlich als das erste Beispiel von Abfallverwertung (Verwertung
der tierischen Haut) betrachtet werden kann, kommen Gerbereien immer
wieder in Verruf, die Umwelt zu belasten. In Europa, vor allem in
Deutschland und in der Schweiz, haben wir gesamthaft betrachtet die
tiefsten Grenzwerte für Emissionen in die Umwelt. Es gibt zwischen den
beiden Ländern zwar kleine Unterschiede, die aber nicht relevant sind.
Die deutsche Umweltgesetzgebung ist vor allem komplizierter und
detaillierter. Die Schweiz hat besonders im Abwasserbereich sehr früh
Grenzwerte erlassen und deshalb für die Durchsetzung mehr Zeit gehabt,
was sinnvoll ist. Beim Abfall besteht ein wesentlicher Unterschied zu
Deutschland darin, dass die Schweiz aufgrund der Grösse des Landes sehr
wenig Abfalldeponien hat, dafür um so mehr
Kehricht-Verbrennungs-Anlagen. Der Abfall wird deshalb in der Schweiz
hauptsächlich verbrannt. Die übrigen Länder weisen wohl ähnlich strenge
Gesetze auf, sind aber im Vollzug nicht gleich konsequent. Diese
Grenzwerte umweltbelastender Emissionen wurden aber nicht aufgrund der
Lederindustrie eingeführt, sondern sind Grenzwerte, die für alle
Industriebereiche gelten. Man darf also davon ausgehen, dass eine
Gerberei nicht schlechter dasteht als jede andere Industrie, dabei
spielt es keine Rolle, welche Gerbverfahren angewendet werden.
Zusätzlich gibt es nun aber auch chemische Substanzen, die im Leder
nicht enthalten sein dürfen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um die
folgenden Produkte:
1. PCP (Pentachlorphenol), ein Konservierungsmittel, das vor allem in
tropischen Ländern angewendet wird, in Europa aber schon seit mehr als
zehn Jahren von der chemischen Industrie nicht mehr verwendet wird.
2. Einzelne Azo-Farbstoffe, die eines der 20 Amine enthalten, die auf
der deutschen Bedarfsgegenständeverordnung aufgelistet sind. Es sind
also nicht generell alle Azo- Farbstoffe verboten, sondern nur einzelne.
Im übrigen werden Azo-Farbstoffe in viel grösseren Mengen in der
Textilindustrie angewendet als im Leder.
3. Formaldehyd (nicht zu verwechseln mit Glutaradehyd), der als
Hilfsgerbstoff eingesetzt werden kann. Ebenso dient Formaldehyd als
Vernetzter von caseinhaltigen Zurichtungen.
4. Sechswertiges Chrom (nicht zu verwechseln mit dreiwertigem Chrom),
das unter extremen Bedingungen aus dem gerbenden Chrom III entstehen
kann.
Es obliegt der Verantwortung jeder Gerberei, Erklärungen abzugeben, ob
diese Produkte in ihren Ledern enthalten sind oder nicht. Die noch
verbliebenen Gerbereien in der Schweiz können problemlos bestätigen,
dass oben erwähnte Produkte in ihren Ledern nicht enthalten sind.
Wir tragen täglich Leder auf unserem Körper oder kommen mit Leder in
Berührung: Schuhe, Bekleidung, Uhrbänder, Handtaschen, Mappen,
Sitzbezüge. 90 Prozent der weltweit produzierten Leder sind mit Chrom
gegerbt. Bis heute sind keinerlei Krankheiten aufgetreten, die auf eine
Lebensgefahr für den Menschen durch Chromgerbstoffe hindeuten. Bekannt
sind heute gewisse Hautallergien, die mit Chrom in Zusammenhang stehen.
Es besteht aber kein Anlass, die praktische, einfache und preisgünstige
Chrom-Gerbmethode zu verwerfen, wenn eine andere Gerbmethode nicht
eindeutig umweltverträglicher, besser oder billiger sein kann.
5. «Öko-Leder» - ein falscher Begriff sucht einen Markt
Leider wird heute sehr oft Ökologie und Umweltverträglichkeit als
Marketing-Instrument missbraucht. Es werden Ausdrücke erfunden, die
jeglicher fachlicher und wissenschaftlicher Bedeutung entbehren. So
werden auch im Verkauf von Leder die Begriffe «Öko-Leder» und
«Bio-Leder» genannt, obwohl überhaupt keine Definition hierfür besteht.
Auch der Internationale Gerberverband sowie die Union der
Internationalen Gerbereichemiker-Verbände haben noch keine Kriterien
festgelegt, die den Begriff «Öko-Leder», definieren. Hierzu bedarf es
einer gesamten Analyse der umweltrelevanten Kriterien. In der EU wird
zur Zeit diese Frage untersucht.
Heute wird von namhaften Grossfirmen Öko-Management als Bestandteil des
Marketings angewandt. Im Lederbereich wurde zum Beispiel von einem
deutschen Automobilhersteller das chromfreie Leder in den Autos
vorgeschrieben, um damit einen Beitrag an den Umweltschutz zu leisten.
Die Idee der Verbreitung von vegetabilen Ledern ist sicher ein wichtiger
Schritt. Aus heutiger Sicht wird es aber nie möglich sein, die
Chromgerbung zu ersetzen, weil weltweit nicht genügend vegetabile
Gerbstoffe vorhanden sind. Es bedarf einer Weiterentwicklung der
synthetischen Hilfsgerbstoffe, um den Anteil der vegetabilen Gerbstoffe
zu reduzieren.
6.
Schlussfolgerung *basierend auf einer Publikation in der Zeitschrift "Schuh Gazette" 10/97 |
| Home | Wir | GV 2009 |GV 2008 | GV 2007 | Award| Gerben | Gerbstoffe | Gerber | Reibechtheit | REACH | Kontakt |
|
Copyright © 1999-2010 VESLIC, Stand:
05. August 2010 |