VESLIC |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
|
Synthetische Gerbstoffe aus Basel
Sehr früh wurde Basel ein wichtiger Ort für die Synthese von
Gerbstoffen, weil die traditionsreiche J.R.Geigy AG, als Handelsfirma
schon 1758 gegründet, mit natürlichen Farbextrakten und
Gerbstoffextrakten bestens eingeführt war.Als 1856 Perkin den ersten
synthetischen Farbstoff hergestellt hatte, lag der Gedanke nahe, auch
Gerbstoffe zu synthetisieren. Diese waren zwar preislich nicht so
attraktiv, aber dafür in weit grösseren Mengen gebraucht.Mit der
Industrialisierung stieg der Bedarf gerade auch bei den vegetabil
gegerbten Gewichtsledern, aber die hochwertigen, vegetabilen Gerbstoffe
waren aus Übersee besonders im ersten Weltkrieg immer schwieriger zu
erhalten.
1911 wurde von Edmund Stiasny, dem späteren Direktor des Lederinstituts
in Darmstadt, der erste Gerbstoff patentiert, der bei der BASF auf
grosses Interesse stiess. Es brauchte allerdings einige Zeit und etliche
Anstrengungen , bis die BASF das berühmte NERADOL D in die Praxis
einführen konnte. Aus Phenolsulfosäuren hatte man durch
Formaldehydkondensation ein wasserlösliches Produkt erhalten, das man
anteilig- bis zu 5 %- mit pflanzlichen Gerbstoffen einsetzen konnte. Die
Dispergierwirkung des synthetischen Produktes wirkte gerbbeschleunigend,
ergab eine hellere Lederfarbe und konnte sogar Gerbschlämme teilweise
lösen. Nur eine eigentliche Gerbwirkung hatte NERADOL D nicht, weshalb
die Erwartungen an einen synthetischen Gerbstoff doch eher enttäuscht
wurden. Inzwischen war der erste Weltkrieg vorbei und hochwertige
Pflanzengerbstoffe wieder verfügbar.
Die Ende der 20er Jahre einsetzende Wirtschaftskrise liess den Ersatz
der Gerbstoffe aus Übersee wieder wichtig erscheinen, weshalb besonders
in Deutschland und der Schweiz zu den bekannten Hilfsgerbstoffen echte
Austauschgerbstoffe gesucht wurden. Mit der zunehmenden Gasfabrikation
fiel immer mehr Teer und somit wichtige Rohstoffe an. In dieser Zeit hat
der 1892 im Rheinland geborene Josef Schäfer sein Chemiestudium fast
vollendet, als er 1915 in den Krieg musste, den er recht gut überstanden
hatte und bereits 1919 promovieren konnte. Seine erste Anstellung trat er bei Elektrowerken Wesseling an, wo er sich um die Teerverwertung bemühte und sich deshalb mit synthetischen Gerbstoffen befasste. So war Schäfer schon früh mit dem Thema vertraut, als er 1925 in eine kleine Tochterfirma ins südbadische Haltingen versetzt wurde. Von da wechselte Schäfer bereits 1926 zur J. R. Geigy AG nach Basel und das Ehepaar Schäfer verlegte seinen Wohnsitz nach Riehen bei Basel.
Josef Schäfer hatte sich inzwischen ausführlich mit der Chemie der
pflanzlichen Gerbstoffe befassen können, die damals an verschiedenen
Instituten intensiv bearbeitet wurden.
Er wusste schon bald, dass man im Gegensatz zu den Farbstoffen nicht das
Naturprodukt nachbauen kann, sondern dass die vegetabilen Gerbstoffe ein
komplexes System von niedermolekularen bis zu hochmolekularen, nur noch
kolloidal gelösten Stoffen, darstellen. Den dispergierend wirkenden
Nichtgerbstoffen kommen dabei ebenso wichtige Funktionen zur
Unterstützung der gerbenden und füllend wirkenden Gerbstoffe zu. Die
Gerbstoffe selbst sollten eben nicht zu wasserlöslich sein, was ihre
Gerbwirkung beeinträchtigt.
Aus Haltingen brachte Schäfer auch den weltweit ersten
Kombinationsgerbstoff aus Syntanen und Chromgerbstoffen, das TANNESCO ®
mit, das bereist 1919 patentiert worden war. Erst wesentlich später kam
die helle, lichtechte Variante auf den Markt, die im aufkommenden Trend
zu weichen Nappaledern ab 1960 ein Bestseller wurde. Als grosser Erfolg
erwies sich ein spezielles Syntan mit dem Zusatz von
Natriumsilicofluorid als mildem, depotartigen Säurespender, der als
Vorgerbstoff für leichte pflanzlich gegerbte Leder erstmals eine ganz
helle Farbe zuliess.
Leider war Josef Schäfer bereits um 1941 erkrankt und starb 1942 im
Alter von nur 50 Jahren.
|
| Home | Wir | GV 2009 |GV 2008 | GV 2007 | Award| Gerben | Gerbstoffe | Gerber | Reibechtheit | REACH | Kontakt |
|
Copyright © 1999-2010 VESLIC, Stand:
05. August 2010 |